20.03.2009 Pressemitteilung 07-09
Freie Wähler fordern Nachbesserungen bei geplanter Neuregelung des Hochschulzugangs in Bayern
FW-Bildungsexperte Piazolo: Hochschulbildung darf nicht zum „Bachelor light“ werden
München/Bayern, 20. März 2009 Grundsätzlich begrüßen es die Freien Wähler, dass künftig auch Berufstätige mit Meisterausbildung einfacher Zugang zu Hochschulen und Universitäten in Bayern erhalten sollen. Die Pläne der Staatsregierung, in einer umfassenden Novelle das bayerische Hochschulgesetz entsprechend zu modifizieren, stoßen trotzdem in wesentlichen Details auf Kritik.
„Wir rechnen es jungen Berufstätigen hoch an, wenn sie nach einer ersten Ausbildung und Berufstätigkeit noch ein Studium aufnehmen wollen. Die derzeit geplante Lockerung der Hochschulzugangsberechtigung schürt jedoch falsche Erwartungen und kann an vielen Stellen zu Verwerfungen im Bildungssystem führen“, kritisiert Prof. Dr. Michael Piazolo, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und hochschulpolitischer Sprecher der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, die geplanten Erweiterungen beim Hochschulzugang.
Denn nach den Plänen von CSU und FDP werden alle Berufsausbildungen unterschiedslos über einen Kamm geschoren: Ein staatlich geprüfter Betriebswirt, der ein zweijähriges Vollzeitstudium an einer Fachakademie absolviert hat, wäre genauso zum Hochschulstudium zugelassen, wie etwa ein Barmeister, der nach einer mehrwöchigen beruflichen Fortbildung eine IHK-Prüfung abgelegt hat.
„Wenig Gedanken hat sich die Bayerische Staatsregierung wohl über die gravierenden Brüche im Bildungssystem gemacht, die ihre hochschulpolitische Novelle nach sich zieht. Von Abschlussgerechtigkeit keine Spur“, bemängelt auch Dr. Hans-Jürgen Fahn, Vorsitzender des Arbeitskreises Bildung und Wissenschaft der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, die geplante Gesetzesänderung.
Besonders mit Blick auf die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung schießt die geplante Novelle weit über das Ziel hinaus. „Es könnte beispielsweise künftig ein Koch mit Hauptschulabschluss, Lehre und dreijähriger Berufserfahrung direkt ein ernährungswissenschaftliches Fachhochschulstudium aufnehmen. Das (Fach-)Abitur hätte ausgedient, wenn man schon mit einer einfachen beruflichen Weiterbildung oder nach einigen Jahren Berufstätigkeit die Pressemitteilung Hochschulzugangsberechtigung in der Tasche hat“, so die FWBildungsexperten Fahn und Piazolo.
Die Freien Wähler fordern die Bayerische Staatsregierung daher vor einem weiteren Schnellschuss in der Bildungsgesetzgebung auf, zu prüfen, welche Weiterbildungen und beruflichen Erfahrungen tatsächlich eine solide Grundlage für ein Hochschulstudium bieten. Die renommierten beruflichen Weiterbildungsabschlüsse dürfen nicht einem „Bachelor für alle“ zum Opfer fallen.
Der drohende Fachkräftemangel wird durch derartige Maßnahmen möglicherweise sogar verschärft. „Zur Deckung des Fachkräftebedarfs der Wirtschaft brauchen wir nicht nur den universitär gebildeten Topwissenschaftler, sondern genauso den beruflich qualifizierten Handwerksmeister“, gibt Piazolo zu bedenken. Der Münchner Hochschulprofessor warnt zudem davor, dass „wir jungen Menschen keine falschen Versprechungen machen dürfen und sie damit – womöglich aus einer Festanstellung heraus – in ein Studium ohne realistische Erfolgsaussichten treiben“. Um dies zu vermeiden seien umfassende Beratungsangebote und Vorbereitungskurse im Vorfeld erforderlich.